Mehr Freiheit am Klavier – dank schmalerer Klaviatur an der HMTM München

v.l.n.r.: Prof. Anna Buchberger (HMTM), Prof. Ulrike Wohlwender (HMDK Stuttgart), Prof. Lydia Grün (Präsidentin, HMTM), Peter Fischer (Pianohaus Fischer), Prof. Markus Bellheim (HMTM), Christian Fischer (Inhaber, Pianohaus Fischer)

Seit April 2025 steht an der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) ein besonderer Flügel für Unterricht und Übung zur Verfügung: ein Steinway B-Modell mit einer SIRIUS 6.0 Klaviatur. Wir durften den Umbau dieses Instruments übernehmen – ein Projekt, das neue Maßstäbe für mehr Ergonomie und Ausdrucksmöglichkeiten am Klavier setzt.

Was die SIRIUS-Klaviatur besonders macht

Im Unterschied zur heute gängigen Normklaviatur misst eine Oktave bei der SIRIUS 6.0 nur 152,4 mm (6,0 Zoll) statt der üblichen 165 mm (6,5 Zoll). Für viele Pianisten bedeutet das: geringere Dehnung, mehr Kontrolle und weniger Verspannung. Das Spielgefühl bleibt dabei weitgehend erhalten – der Umstieg erfolgt in der Regel intuitiv.

Besonders bei kleineren Händen bietet die schmalere Klaviatur klare Vorteile: Akkorde lassen sich entspannter greifen, schnelle Läufe werden sicherer und das Üben effizienter. Die Konzentration kann stärker auf musikalische Gestaltung gelenkt werden – ein echter Gewinn, nicht nur im pädagogischen Kontext.

Ein Instrument für mehr Ausdruck und Bewegungsfreiheit

Die Initiative für den Umbau ging von Prof. Anna Buchberger, Klavierprofessorin an der HMTM, aus. Sie setzte sich dafür ein, ihren Studierenden ein Instrument mit angepasster Tastatur zur Verfügung zu stellen. Wir haben dieses Projekt mit technischer Präzision umgesetzt.

Eine schmalere Klaviatur bedeutet nicht nur veränderte Maße, sondern erfordert auch eine genaue Justierung der Mechanik. Piano-Fischer hat den Flügel entsprechend angepasst, sodass sich das Spielgefühl harmonisch in den klanglichen Charakter des Instruments einfügt.

Tradition trifft auf neue Maßstäbe

Die heute übliche Tastaturbreite ist historisch betrachtet eine vergleichsweise junge Norm. Viele Hammerflügel des 18. und 19. Jahrhunderts hatten deutlich schmalere Tasten. Mit der SIRIUS 6.0 greifen wir diesen Gedanken auf – und übertragen ihn in die Gegenwart moderner Konzertflügel.

Das Projekt an der HMTM München reiht sich ein in eine Entwicklung, die mehr Vielfalt und individuelle Anpassung im Klavierbau zulässt. Wir freuen uns, Teil dieser Bewegung zu sein – ganz im Sinne eines bewussteren, gesünderen und musikalisch freieren Klavierspiels.

Die Zukunftsinitiative SIRIUS 6.0

Spielwerke mit SIRIUS 6.0 Klaviatur bzw. mit originaler 6.5 Normklaviatur für Steinway Nr. 531803 (Foto: Silvia Molan)

Die Zukunftsinitiative SIRIUS 6.0 wurde 2020 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (HMDK) von Prof. Ulrike Wohlwender und Silvia Molan ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, den Einsatz von Klaviaturen mit schmaleren Tasten im professionellen Konzertbereich sowie im musikpädagogischen Kontext systematisch zu erproben, weiterzuentwickeln und in die Breite zu tragen. Sie fördert den fachlichen Austausch, begleitet wissenschaftliche Studien und initiiert Pilotprojekte an Hochschulen.

Im Mittelpunkt stehen dabei übergeordnete Themen wie künstlerische Entfaltung, effizientere Übezeit, Prävention von Überlastungssyndromen, Chancengleichheit und gendergerechte Spielbedingungen. Die Initiative versteht sich zugleich als Impulsgeber für den weltweiten Klavierbau, künftig auch serientaugliche Alternativen zur bestehenden DIN-Norm anzubieten.

Positive Rückmeldungen aus dem Hochschulalltag

Die ersten Erfahrungen aus dem Unterrichts- und Übebetrieb an der HMTM sind durchweg positiv. Viele Pianisten berichten von mehr Spielkomfort, größerer Sicherheit und gesteigerter Ausdruckskraft. Besonders technische Hürden wie große Intervallgriffe oder komplexe Passagen lassen sich auf der schmaleren Klaviatur spürbar entspannter bewältigen.

Auch aus gesundheitlicher Sicht bietet die SIRIUS-Klaviatur Vorteile: Studien zeigen, dass eine zu große Spreizung der Finger zu Überlastungen und Beschwerden führen kann. Eine angepasste Tastatur wirkt dem entgegen – präventiv und nachhaltig.

Individuelle Lösungen – fachgerecht umgesetzt

Wir haben in diesem Projekt unsere langjährige Erfahrung im Bereich Umbauten, klanglicher Ausarbeitung und individueller Flügelanpassung eingebracht. Ob für Hochschulen, Musikschulen oder ambitionierte Privatpersonen – wir prüfen gerne gemeinsam mit Ihnen, ob ein Umbau auf eine schmalere Klaviatur auch bei Ihrem Instrument möglich und sinnvoll ist.

In einem persönlichen Gespräch klären wir technische Voraussetzungen, Aufwand und realistische Möglichkeiten – stets mit dem Ziel, das Instrument ideal auf Ihre spielerischen Bedürfnisse abzustimmen.

Unser Dank gilt der Hochschule für Musik und Theater München sowie Prof. Anna Buchberger für das entgegengebrachte Vertrauen und die konstruktive Zusammenarbeit. Es war uns eine Freude, dieses Projekt begleiten zu dürfen – und wir schätzen es sehr, wenn musikalische Vision und handwerkliche Umsetzung auf diese Weise zusammenfinden.